Interaction Design Basics
Chapter 1Slides
HAWK SS25 Interaction Design Basics (PDF)
Die Küche zum Kochen (Otl Aicher)
Die Küche zum Kochen – Otl Aicher (Ökobuch Verlag)
Kernaussagen:
- Funktionalität vor Repräsentation – Aicher kritisiert die moderne Küche als “Schauküche” und plädiert für eine Rückbesinnung auf die primäre Funktion: das Kochen.
- Die Küche als Werkstatt – Aicher betrachtet die Küche als Werkstatt, in der alles seinen funktionalen Platz hat und schnell zugänglich sein muss.
- Arbeitsprozesse als Designgrundlage – Die Gestaltung der Küche sollte den tatsächlichen Arbeitsprozessen folgen.
- Gestalterische Ehrlichkeit – Aicher fordert eine “ehrliche” Küche, in der Form der Funktion folgt.
Affordances in der Küche
Herdplatten und Kochfelder:
- Konzentrische Kreise auf traditionellen Elektroherden signalisieren Heizzonen
- Induktionskochfelder mit aufgedruckten Kreisen schaffen ein mentales Mapping trotz flacher, homogener Oberfläche
- Gas-Brenner mit Metallgittern kommunizieren durch ihre physische Form die Notwendigkeit einer stabilen Auflagefläche
Griffe und Bedienelemente:
- Drehregler vermitteln Gradualität (stufenlose Temperaturregulation)
- Die Größe des Griffes korreliert oft mit der Häufigkeit der Nutzung
- Griffformen, die zur Handhaltung passen, kommunizieren die intendierte Bewegungsrichtung
Küchengeräte:
- Messergriffe mit Fingermulden geben Hinweise auf die korrekte Griffhaltung
- Die Neigung eines Schneidbretts mit Saftrinne kommuniziert die Ausrichtung
- Die Form eines Pürierstabs mit Schutzabdeckung verdeutlicht Handhabung und Gefahrenzone
Mentale Modelle in der Küchengestaltung
Das Arbeitsdreieck – Fundamentales Organisationsprinzip zwischen Zubereitung (Arbeitsfläche), Garen (Herd) und Aufbewahrung (Kühlschrank). Kulturelle Varianten: Asiatische Küchen mit zentraler Position des Reiskochens.
Workflow-Orientierung:
- Chronologische Anordnung nach Arbeitsschritten: Vorbereiten → Zubereiten → Garen → Anrichten
- Funktionszonen-Modell: Lagern, Vorbereiten, Kochen, Spülen
- Hierarchie der Wichtigkeit durch vertikale Anordnung
Mapping in verschiedenen Küchenkulturen
Herdkontrolle:
- Lineare Anordnung: Regler links → Platte links
- Iconische Darstellung: Miniaturabbild der Herdplattenpositionen neben den Reglern
- Kulturelle Unterschiede: In manchen Ländern bedeutet Drehung im Uhrzeigersinn “höher”, in anderen “niedriger”
Constraints in Küchenumgebungen
- Kindersicherungen an Schränken mit gefährlichen Inhalten
- Zweistufige Aktivierung bei potenziell gefährlichen Geräten
- Schubladeneinteilungen erzwingen ordnungsgemäße Lagerung
- Kaffeemaschinen, die erst nach korrektem Einsetzen des Filters funktionieren
Kontaktloses Bezahlen
Affordances
- Das Wellensymbol
)))als universelle Kennzeichnung - Leuchtende LED-Anzeigen am Terminal signalisieren Bereitschaft
- Charakteristischer Signalton bei erfolgreicher Transaktion
- Vibrationsrückmeldung auf Smartphones
Mentale Modelle
Von physisch zu virtuell: Physische Übergabe von Geld → physisches Einstecken einer Karte → kontaktloses “Schweben” der Karte → vollständig digitale Wallet. Je weiter von der physischen Übergabe entfernt, desto abstrakteres mentales Modell nötig.
Vertrauensmodelle:
- “Zauberstab”-Modell: Die Karte/das Smartphone als magisches Werkzeug
- “Schlüssel”-Modell: Die Karte/das Smartphone öffnet Zugang zu einem Konto
- “Stellvertreter”-Modell: Die digitale Repräsentation des eigenen Geldes
Mapping
- Nähe als Metapher für Übertragung: Je näher, desto sicherer die Verbindung
- Farbcodes: Rot (warten), Gelb (in Bearbeitung), Grün (erfolgreich)
- Multimodale Rückmeldung: Visuell (Display), akustisch (Ton), haptisch (Vibration)
Constraints
- Betragslimits ohne zusätzliche Authentifizierung
- Maximale Distanz für NFC-Kommunikation (ca. 4–10 cm)
- Erzwungene PIN-Eingabe nach mehreren kontaktlosen Zahlungen
Kulturelle Unterschiede
- Asien: Frühe Adoption, Japan mit FeliCa seit 1997, China mit QR-Code-basiertem System
- Skandinavien: Vorreiter bei bargeldlosem Bezahlen, viele Geschäfte akzeptieren kein Bargeld mehr
- Deutschland: Traditionell bargeldaffin, langsamere Adoption, Bedenken hinsichtlich Datenschutz
Fitness-Tracking
iPhone Health/Fitness App
- Affordances: “Plus”-Symbole für manuelle Dateneingabe, Pull-to-refresh, Animationen bei Ringabschluss
- Mentale Modelle: “Ringe schließen” als zentrale Metapher, hierarchische Datenorganisation
- Mapping: Farbkodierung konsistent (rot für Bewegung, grün für Training, blau für Stehen)
- Constraints: Bearbeitungsmöglichkeiten zeitlich begrenzt, feste Kategorien für Workout-Typen
Apple Watch
- Affordances: Digital Crown für Dreh- und Drückinteraktion, haptisches Feedback (Taptic Engine)
- Mentale Modelle: Uhr als persönlicher Fitness-Coach, kreisförmige Visualisierungen spiegeln die Uhrenform
- Mapping: Drehen entspricht linearem Scrollen, Farbige Herzfrequenzzonen (grün→gelb→rot)
Sprachsteuerung via AirPods
- Affordances: “Hey Siri” als verbaler Trigger, Bestätigungston signalisiert Bereitschaft
- Mentale Modelle: Konversationelles Interface, verbaler Assistent als “freihändiger Trainingspartner”
- Constraints: Begrenzte Vokabularmenge, kontextabhängige Befehle
Buchempfehlungen
- About Face – Alan Cooper et al.
- The Design of Everyday Things – Don Norman
- Living with Complexity – Don Norman
Hausaufgabe: Beobachtungstagebuch (Diary Study)
Beobachtung eines Alltagsobjekts/-interfaces über einen Tag oder Woche hinweg. Das Beispiel sollte möglichst alle vier Konzepte veranschaulichen (Affordance, Mental Model, Mapping, Constraints).
- Dokumentiere dein Beispiel mit Fotos/Screenshots
- Identifiziere und beschreibe Affordances, mentale Modelle, Mapping und Constraints
- Überlege, wie soziale oder kulturelle Faktoren die Gestaltung beeinflussen
- Kurze Reflexion: “Was könnte ich bei diesem Interface verbessern?”
- Bereite eine kurze Präsentation vor (max. 5–7 Minuten + Feedback)
Vorlagen: